Freda Wagner, M.A.

  • geboren 1985 in Marburg/Lahn
  • 2004-12 Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Fachjournalistik Geschichte, Anglistik und Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 2007/08 Auslandssemester an der University of Bristol, Großbritannien
  • 2013 Magisterabschluss, Note: sehr gut (Magisterarbeit zu den Protesten gegen die Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren)
  • Seit August 2013 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Historischen Institut/Zeitgeschichte der JLU Gießen im Projekt “Globale Hilfe”

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Promotionsskizze:

“Kinder der Welt: Die Idee der humanitären Patenschaft 1945-2000″

Spendenanzeigen mit drastischen Bildern notleidender Kinder und moralischen, an Gewissen und Mitleid appellierenden Aufrufen, die durch einen familiären Zusammenhang eine globale Solidarität zu konstruieren versuchen, scheinen in der westlichen Welt allgegenwärtig. In der internationalen humanitären Hilfe des 20. Jahrhunderts spielten Kinderpatenschaften als grundlegende Idee, als werbewirksame PR-Strategie und als langfristiges Finanzierungsmodell eine zunehmend bedeutende Rolle. Das Promotionsvorhaben untersucht Kinderpatenschaften als ein zentrale s Instrument humanitärer Hilfe und analysiert die Bedeutung der Idee der internationalen Spender-Patenschaften als diskursives Feld sowie als Indikator breiterer Entwicklungen auf dem Gebiet der humanitären Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg.

Von besonderem Interesse sind dabei Entstehung und Entwicklung des Patenschaft-Gedankens und der angebotenen Programme, insbesondere der Wandel, den das Konzept seit den 1960er Jahren mit seiner internationalen Ausweitung und Fokusverschiebung auf “Dritte Welt”-/Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika als Empfänger und durch eine zunehmend auf langfristigere Hilfe ausgerichtete entwicklungspolitische Profilschärfung vieler Hilfsorganisationen ab den 1970er Jahren erfahren hat. Zentral ist hierbei das Wechselspiel zwischen Hilfswerken und anwachsender öffentlicher Kritik an Vermarktung, Ausgestaltung und Effizienz des unmittelbaren, häufig als paternalistisch und katalogartig bemängelten Eins zu Eins-Patenschaftmodells zwischen Gebern und individuellen Kindern, das zunehmend einem symbolischen Einzelpatenschaftsverhältnis für Projekte, etwa Dorfentwicklungsprojekten, wich. Im Fokus steht dabei auch die Entwicklung der Ikonisierung von Kindern im Rahmen humanitärer Hilfskampagnen, die sich im Untersuchungszeitraum nach sich wandelnden Prinzipien humanitären “Marketings” professionalisierten.

Große international operierende humanitäre NGOs wie der 1919 gegründete Save The Children Fund, die 1937 im Zuge des Spanischen Bürgerkriegs als Foster Parents Plan for Children in Spain entstandene Organisation Plan International oder der heute größte, 1950 nach dem Koreakrieg ins Leben gerufene Patenschaftsvermittler World Vision sollen ebenso untersucht werden wie Organisationen, die humanitäre Patenschaften als Strategie zu einem bestimmten Zeitpunkt adaptierten.